Bici-Palma – Oder wie man ein ganz tolles Konzept ganz toll vergeigt

Fast jede große Europäische Stadt verfügt heute über ein oder mehrere „Bike-to-Go“ Konzepte, über die man sich einfach und schnell ein Leihfahrrad mieten kann. Da darf Palma natürlich nicht fehlen, nur wie fast immer auf den Balearen, geriet der Versuch zu einem kompletten Reinfall. Nur noch rund 1.600 Nutzer besitzen eine Bici-Palma-Karte.

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Eigentlich sollte es ganz einfach sein:

Laut Website der Stadt Palma ist Bici-Palma „…ein öffentliches Leihfahrradsystem, das Bürgern zahlreiche Fahrräder zur Verfügung stellt, damit sie diese zur Fortbewegung in der Stadt nutzen können. Es handelt sich um einen unkomplizierten, praktischen und nachhaltigen Service. „

Um ein Fahrrad zu mieten, muss man als Bürger zunächst auf der Webseite von „Bicipalma“ mit einer Kreditkarte die Gebühren bezahlen, im Anschluss erhält man einen Code. Diese Nummer muss an einer der mehr als 30 Radstationen in Palma de Mallorca eingegeben werden. Dann kann man das Rad für eine bestimmte Zeit mieten und es später an einer anderen Andockstelle wieder abgeben.

So weit so klar… Touristen bleiben aber außen vor

Der Haken ist aber in der obigen Beschreibung schon klar beschrieben: Bici-Palma wird nur Bürgern (Also Residenten…) zur Verfügung gestellt. Die Beschriftung des Systems ist daher auch nur in Catalin und Spanisch gehalten.

Die rund 5 Millionen Touristen, die Palma jährlich besuchen, können es nicht benutzen. Damit war das Konzept von Anfang an gestorben.

Leider kein Bedarf bei der Zielgruppe

Die Bürger von Palma interessieren sich nicht für das System, die Touristen interessieren sich, können es aber nicht benutzen. Und deshalb stehen die Räder seit Jahren an mehr oder weniger verfallenden Stationen herum. 2016 gab es nur noch 1.600 Personen, die sich für das Konzept eingeschrieben haben. Das sind weniger, als es in Palma Rollstuhlfahrer gibt.

Die Räder sind technisch minderwertig

Ein Hauptgrund für das mangelnde Interesse bei den Bürgern liegt in der eher einfachen Qualität und dem oft schlechten Zustand der Räder begründet. man hat sich anscheinend für die günstigste Variante entschieden, die mit schlechten Bremsen, knackenden Schaltungen und klappernden Anbauteilen wenig überzeugt.

Auch für die geduldserprobten Bürger Palmas ist das System nicht wirklich nutzerfreundlich:

Wer ein Fahrrad an einer der 28 Stationen ausleihen will, muss eine so genannte »Tarjeta Ciudadana« (Bürgerkarte) besitzen. Das graue Plastikkärtchen wird von der Stadt ausgestellt. Um sie zu bekommen, bedarf es eines Ausweisdokuments, also im Falle deutscher Residenten den Personalausweis und den grünen Bogen mit der N.I.E.-Nummer, der Steuernummer für ausländische EU-Anwohner.
 Ist man Besitzer dieser schönen Karte, muss man sich auf www.bicipalma.es anmelden und kann nach 72 Stunden ein Fahrrad ausleihen. Die Registrierung ist in der halbjährigen Testphase gratis, als Nutzer/in muss man allerdings mindestens 16 Jahre alt sein. Nun sind die schicken, in blau-grün-weiß gehaltenen Räder, nicht zur stundenlangen Erkundung der Stadt gedacht, sondern eher um von A nach B zu kommen. Zwei Stunden sind als maximale Fahrzeit vorgesehen, empfohlen wird auf der Website jedoch eine halbe Stunde, damit das System optimal funktioniert. Sprich: Damit immer genügend Fahrräder an jeder Station stehen. Die Räder dürfen auch nur dort abgestellt werden. Ist eine Station voll, zeigt der Kartenautomat an, wo die nächste freie Stelle ist. Für die Rückgabe wird das Fahrrad einfach in die Haltevorrichtung geschoben.
Fazit:
Als Tourist kann man also die Blau-Weißen-Billigräder getrost ignorieren und sich ein Fahrrad oder E-bike bei den vielen gewerblichen Anbietern organisieren. Übrigens auch auf ezebee.com findest Du coole E-Bikes.

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Was hältst Du von dem Konzept? Besitzt Du noch eine Bici-Palma-Karte?

 

 

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