Der Kragenhochklapper: Was sie uns sagen (wollen)

Auf Mallorca entdecken viele Touristen ein kurzzeitiges Faible für „Upper-Class Chique“. Besonders beliebt sind weiße Hosen, mit Marine-Motiven bedruckte Hemden und Polos, Männerhandtaschen, große Uhren und Visier-Sonnenbrillen sowie flache Slipper.

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Warum aber klappen so viele Männer im Urlaub die Krägen ihrer Polos hoch?

Früher wie heute haben sich reiche und mächtige Menschen dadurch hervorgetan, das sie Boote, Flugzeuge und Autos besaßen. Arme Menschen hatten so was nicht.

Und damals, so um die 1915, waren Autos, Flugzeuge und Boote offen und zugig. Der Landadel fuhr und flog also immer Cabrio. Und da die Cabrios von damals weder über Nackenföhn oder Windschott verfügten, musste improvisiert werden: Man hat sich den Hemd- oder Jackenkragen hochgeklappt und besonders große Sonnenbrillen angezogen. Um sich vor Fahrtwind und natürlich Sonne zu schützen. Ein sonnenverbrannter Nacken galt nämlich als ausgesprochenes Zeichen von Armut: Arbeitende Landbevölkerung wurde und wird daher geringschätzig als „Redneck“ bezeichnet.

Da man ja aber nicht dauernd im Auto saß, um bewundernde Blicke auf sich zu ziehen, begannen die reichen Leute, den Kragen einfach oben zu lassen, wenn sie sich außerhalb ihrer Gefährte bewegt haben. Autoschlüssel auf den Tisch legen ging ja noch nicht, weil Anlasserkurbeln auf dem Esstisch eher unpraktisch waren. Und so wußte jeder: Kragen oben = Autofahrer/ Flieger/ Bootbesitzer= Reich!

Der Kragenhochklapper will also reich aussehen!

Aber nicht nur reich. Gelangweilt reich. Irgendwie so cabriomäßig reich, oder als ob er praktisch nichts anderes macht, als den ganzen Tag am Steuerrad einer Yacht zu stehen. BWL-Studenten und Erstsemester-Juristen machen es daheim ja auch so. Sie wollen damit zeigen: Schau, wenn ich mal groß bin, hab ich keine Angst vor Nackenbrand. Denn ich klapp den Kragen hoch.

Wenn man in Wahrheit aber nur der Metzgermeisten aus Dürrheim ist, sollte man den Kragen unten lassen. Denn in zwei Wochen muss man ja wieder Koteletts schneiden. Und zwar im regnerischen Deutschland. Wo mit Cabrio eh nichts ist. Außer das es reich aussieht, wenn man ein Klappdach hat. Das ist aber eine andere Geschichte…

 

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