Gruppe 43: Ein Blick ins Cockpit der Löschflugzeuge

Auf Mallorca hat am 1. Mai die Waldbrandsaison begonnen. Im vergangenen Jahr hatte auf den Balearen 66 Waldbrände gegeben, denen 108,49 Hektar Land zum Opfer fielen und wie jedes Jahr gelten ab dem Stichtag besonders strange Regeln für den Umgang mit Feuer. 

Ganz verhindern lassen ich die Waldbrände jedoch nicht und deshalb steht wie jedes Jahr eine Staffel gelber CL-215 Löschflugzeuge und einige sogenannte „Spotter“ der Gruppe 43 der spanischen Luftwaffe auf Mallorca.

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Die Piloten der Gruppe 43 – Sie haben einen der gefährlichsten Jobs in der Luftfahrt

Tausende Touristen haben sie schon gesehen: Die schweren, trägen CL-215 Wasserbomber, die bei Waldbränden mit waghalsigen Flugmanövern im minutentakt in die Buchten Mallorcas herabtauchen, um im Tiefflug neues Löschwasser aus dem Meer aufzunehmen, das sie dann über den Brandherden wieder abwerfen. Wer fliegt diese Einsätze und wie es in den Cockpits der fliegenden Feuerwehr aus?

Die Grupo 43 wurde 1971 von der spanischen Luftwaffe gegründet, um die Küsten und Waldgebiete Spaniens mit einer effektiven Waffe gegen die immer häufigeren und verheerenden Waldbrände zu schützen. In den folgenden vier Jahrzehnten wurden in über 150.000 Flugstunden Waldbrände in allen Regionen Spaniens bekämpft.

Die Grupo 43 ist aber nicht für ihre Verdienste um die Waldbrandbekämpfung bekannt, sondern auch wegen ihrer oft witzigen Videos über den gefährlichsten Job der Welt:

Kriegseinsätze in Friedenszeiten- Junge Männer im Kampf gegen die Flammen

Für die Elite-Piloten der Feuerlösch-Staffel 43 ist jeder Einsatz wie ein Kriegseinsatz. Tobende Waldbrände und dessen Ausmaße lassen sich nicht planen, die Piloten müssen sich und ihre Wasserbomber im Tiefflug päzise über dem Feuer positionieren und dabei gegen Rauch und mächtige thermische Turbulenzen ankämpfen. Gleichzeitig müssen sie auf andere Löschflugzeuge, Hubschrauber und vor allem auf die Anweisungen von den Firefightern am Boden reagieren. das hat auch Opfer gefordert: Bisher haben 15 Piloten bei 9 tödlichen Unfällen ihr Leben bei Löscheinsätzen gelassen. Insgesamt sind damit 25 % der Gesamtflotte in tödliche Unfälle verwickelt gewesen.

Kein Einsatz ist planbar- Die Mannschaft entscheidet alleine

Wenn der Feueralarm kommt, bleibt den Piloten und der Crew keine Zeit für Planung: Innerhalb weniger Minuten sind die jungen Männer und Frauen in der Luft und steuern den Brandherd an. Es gibt keine Zeit zu verlieren. Noch im Anflug auf das Feuer werden Routen besprochen, der Wind gecheckt und Hindernisse wie Stromleitungen und Sendemasten ausfindig gemacht. Auch muss nach einem entsprechenden „Tankplatz“ in der Nähe des Waldbrandes muss gesucht werden, meist Hafenbecken oder Buchten, in denen halb fliegend, halb schwimmend Wasser aufgenommen wird.

Die Entscheidungen treffen die Mannschaften kurzfristig und im Flug, sie sind auf sich alleine gestellt. Im Funkkontakt mit den Bodenmannschaften und den anderen Löschflugzeugen wird dann spontan reagiert und gegebenenfalls neu koordiniert.

Im Cockpit der CL-215 sitzen zwei Piloten und ein dritter Mann, der die Gashebel mitberdient, damit die Piloten beide Hände am Steuer haben. Alle drei sind ständig mit der Beobachtung des Luftraumes und der Feuerstellen beschäftigt.

Der Anflug auf das Feuer ist der kritischste Teil

Die Piloten müssen so tief wie möglich über die Flammen, um dessen Wucht beim Aufprall von  ausnützen zu können. Dabei gehen bis auf wenige Meter herunter, oft in bergigem Gebiet. Die unglaubliche Hitze der Brandherde von über 800 Grad sorgen für extreme Auftriebe und gleichzeitig starke Winde, die sich in Bodennähe verwirbeln und die Maschinen gewaltsam durchrütteln. Dazu kommen die oft extrem schlechten Sichtverhältnisse im Rauch und Wasserdampf. Wenn die Last abgeworfen wurde, ist der Einsatz noch nicht vorbei:

Im Tiefflug wird die nächste Bucht angeflogen, wo die Piloten ihre 4 Tonnen schweren kastigen Wasserbomber feinfühlig auf die Wasseroberfläche setzen müssen, um durch Öffnungen im Rumpf innerhalb von 1-3 Minuten bis zu 3000 Liter Wasser aufzunehmen. Bei Wellengang nicht nur eine fliegerische Herausforderung, sondern auch für Mensch und Maschine, die dabei harte Schläge ertragen müssen.

Nach dem Auftanken geht es dann zurück über den Brandherd, wo die Lage abermals neu beurteilt werden muss, um effektiv eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

ist der Brand unter Kontrolle, fliegen die Besatzungen wieder zum De-Briefing zurück, um  auf die nächsten Einsätze zu warten. Und wie ein Pilot der Gruppe 43  schmunzelnd sagt: Das ist der härteste Teil unseres Jobs. Oft warten wir wochenlang, dann aber muss man voll da sein. Die Zeit dazwischen werden deshalb regelmäßig Übungsflüge durchgeführt und Szenarien durchgespielt. und eines ist gewiss: Der nächste Einsatz kommt!

 

 

 

 

 

 

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