Hassparolen gegen Massentourismus: Mallorca kann nicht mehr

Die großen Reiseveranstalter und Hotelketten auf Mallorca jubeln: Nie wurden so viele Touristen auf der beliebtesten Ferieninsel erwartet wie 2016. Hotels und Unterkünfte sind nahezu ausgebucht, das Geschäft bei Airbnb und hundredrooms boomt. Die Einwohner Mallorcas hingegen zeigen sich wesentlich weniger begeistert von dem Massenansturm und tun dies zunehmend öffentlich kund.

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Wer heute durch die Straßen Palmas oder Areals läuft, kann die Hassparolen gegen den Tourismus kaum übersehen: Urlauber werden in diesen Tagen an vielen Orten darauf hingewiesen, dass sie auf Mallorca zunehmend unerwünscht sind. „Ausländer raus“, prangt auf Englisch in großen schwarzen Graffiti-Lettern an Hauswänden. Oder: „Urlauber go home. Flüchtlinge willkommen.“ Auf einem Bauzaun der Inselhauptstadt schockt die auf Spanisch geschriebene Hassparole „Touristen = Terroristen“.

Was ist der Hintergrund für den neuen Touristen-Hass?

Auf Mallorca leben rund 890.000 Einwohner. Auf diese Einwohner kommen etwa 10-12 Millionen Touristen, also pro Kopf fast 14 Touristen. Dennoch ist der mallorkinische Normalbürger nicht auch gleichzeitig Profiteur dieses Massenansturmes: Er verdient trotz der Urlaubsmilliarden, die jährlich auf Mallorca ausgegeben werden, immer noch ein Durchschnittseinkommen von ca. 1400 Euro und muss oft in Saisonjobs mühsam sein geld als Kellner, Koch oder Taxifahrer verdienen.

Das Geld kommt nicht bei den Bürgern an

„Den großen Reibach machen die Reiseanbieter und Hotelketten, nicht der Bürger. Der darf nur die Drecksarbeit machen.“ schimpft Jaime Company, der in der Innenstadt als Kellner eines deutschen Kaffeehauses 10 Stunden täglich für rund 8 Euro die Stunde arbeitet. „Am Ende der saison wird dann wieder personal ausgedünnt und alle zittern, ob sie diesmal wieder betroffen sind.“ Ein Großteil der Gewinne, die die Reisekonzerne und Kreuzfahrtanbieter einspielen, werden zudem gar nicht auf der Insel versteuert, sondern an den jeweiligen Firmensitzen der Reiseriesen.

Die Mietpreise auf Mallorca steigen zudem durch Airbnb-Vermietungen, der den Wohnraum, der an normale Bürger vermietet wird, enorm verknappt.

Anwohner leiden unter Lärm, Dreck und Schmuddeligkeit

Doch nicht nur in der Arbeit, auch daheim hat für den Mallorquiner der Massentourismus oft negative Auswirkungen: Wenn im Sommer nachts und frühmorgens die betrunkenen Partygänger vom Marititimo oder aus dem Ausgehviertel La Llonja kommen, wird es laut auf den Straßen Palmas. An Schlaf ist da in vielen Vierteln der Stadt kaum zu denken. Dazu kommen die täglichen Hinterlassenschaften der Touristen und es ist durchaus normal geworden, morgens auch mal über eine Schnappspeiche im Hauseingang zu stolpern.

Die Umwelt leidet und der Wassermangel wird gravierend

Mallorcas Umwelt leidet enorm unter den Massen: Touristen duschen oft mehrmals täglich, erzeugen den größten Teil an Plastikmüll (Alleine allem die beliebten 0,3 l PET-Flachen und die PVC-Billig-Luftmatratzen erzeugen rund 900 Tonnen Müll, von dem ca. 10 % im Meer und in der Landschaft landen.)

Die chronische und zunehmende Wasserknappheit wird durch den Tourismus noch verschärft. In Teilen der Ostküsten wie in Santanyi kommt bereits seit Jahren nur noch Salzwasser aus den Leitungen, die Grundstückswerte tendieren dadurch gegen Null. Kompensationen oder Hilfe durch die Tourismus-Industrie gibt es nicht.

Die Einwohner haben wenig Hoffnung aus Besserung

Der Vorsitzende des Bürgervereins, Biel Barceló, ist skeptisch, dass sich wirklich etwas verbessert: „Wir warten seit Jahren auf Lösungen.“ Die Angst vor dem Massentourismus, der Überfremdung oder vor dem Immobilien-Ausverkauf auf der Insel ist übrigens gar nicht so neu: Bereits vor zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der Spekulations- und Baublase in Spanien, zogen zehntausende Menschen durch Palma und riefen: „Schluss mit der Zerstörung“ und „Rettet Mallorca“. Geholfen hat es offenbar nicht viel. Denn die Protestparolen, die jetzt wieder über die Insel schallen, klingen ziemlich ähnlich.

 

 

 

 

 

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