Ist Mallorcas Wassermangel hausgemacht?

Alle Jahre wieder hört man auf Mallorca, dass das Wasser knapp wird. Letzter Sommer war besonders schlimm. Die Stauseen waren leer, Kleingärtner durften Ihre Gärten nicht mehr gießen und sogar die EMAYA sah davon ab, die Straßen mit Frischwasser zu reinigen. Wie passt das jedoch mit den extrem starken Regenfällen der letzten Tage zusammen?

Zugegeben, auf Mallorca regnet es nicht oft. Wenn es jedoch regnet, dann richtig! Die durchschnittliche Niederschlagsmenge Mallorcas liegt bei 1400 Millimetern im Norden und 400 Millimetern im Süden.

Wassermangel heute auf Mallorca – ein wirkliches Problem

Tatsächlich ist Wassermangel auf Mallorca eines der größten Probleme der Insel. Mit 14 Mio. Touristen jährlich ist zudem der Wasserverbrauch überdurchschnittlich hoch. Dennoch kommt man als geneigter Beobachter nicht umhin zu bemerken, dass es bei starken Regenfällen regelmäßig auch zu starken Überschwemmungen kommt und anschließend beinahe das gesamte Regenwasser über Wasserkanäle und Torents direkt ins Meer geleitet wird. Auch die Disfunktional der viel zu kleinen und veralteten Kläranlage Palmas ist weithin bekannt. Vor allem durch die durch sie verursachte Wasserverschmutzung und die damit einhergehenden rote Fahnen an den Stränden von Ciutat Jardin bis hin zur Playa de Palma macht sie im Sommer von sich reden.

Ausgetrocknete Erde auf Mallorca keine Seltenheit

Es stellt sich daher die Frage, ob der sommerliche Wassermangel auf Mallorca nicht durch einfache aber nachhaltige Maßnahmen verhindert werden könnte – dies würde nicht nur der Landwirtschaft zugutekommen, sondern auch den Tourismus der Insel befördern. Immerhin die wichtigste Einnahmequelle der Region. Denn welcher Tourist bekommt schon gerne gesagt, er möge doch wenn überhaupt nur einmal täglich duschen. Und vor allem: wer macht gerne Urlaub an einem Strand, an dem eine rote Fahne weht und in dessen Wasser mehr Kohlebakterien als Fische zu finden sind?

Wassermangel im 10 Jahrhundert – kein Problem

Bereits die Mauren legten im 10. Jahrhundert in Banyalbufar ein ausgefeiltes Trassen- und Bewässerungssystem an, aus dem blühende Gärten enstanden. Leider sind davon heute nur noch weniger Überreste erhalten. Denn als Spanien wenige Jahrzehnte später die Mauren vertrieb, ging mit ihnen auch das Wissen um eine nachhaltige Wasserwirtschaft verloren.

Angelegte Terassenfelder bei Banyalbufar Mallorca

Wie man den Wassermangel verhindern könnte – Vorbild Israel

Länder wie Israel jedoch sind das perfekte Beispiel, wie man mit wenig Niederschlag nachhaltig Wirtschaften kann. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt in Israel mit 30 bis 900 Millimetern deutlich niedriger als auf Mallorca. Regen fällt hier oft jahrelang nicht. Dennoch gehört das Land zu den weltweit führenden Gewächshaus-Food Exporteuren, baut Getreide und Zitrusfrüchte an. Die Notsituation machte die Israelis innovativ. So wurde eine eigene Institution nur für Wasserwirtschaft eingerichtet, nach dem Motto: Jeder Tropfen ist wichtig.

Die Wasserwirtschaft des Landes basiert auf drei Säulen, die genauso auch auf Mallorca, ja auf ganz Spanien angewandt werden könnten. Dies würde nicht nur die Wasserknappheit verhindern, sondern käme der gesamten Ökologie der Insel und der Wasserqualität des Mittelmeers zugute. Und somit auch dem Tourismus.

Zum einen sind neue Technologien für die Wassergewinnung verantwortlich. Genauso wie Mallorca setzt auch Israel dabei auf Meerentsalzungsanlagen, die auch in Israel produziert werden. Bei den durchschnittlichen Niederschlagsmengen auf Mallorca, wäre dies jedoch bei einer nachhaltigen Wasserwirtschaft nur in Ausnahmefällen nötig.

Kein anderes Land nutzt beispielsweise sein Abwasser auch nur annähernd so intensiv wie Israel. Spanien liegt zwar immerhin auf Platz zwei, jedoch bei einer Quote von gerade mal 17 Prozent. Für die Landwirtschaft in trockenen Gebieten ist die Nutzung von Brauchwasser optimal, da die anfallende Wassermenge stabil ist. So können Obstplantagen gepflanzt werden, wo andernfalls Wüste entstehen würde. Das Grauwasser wird über ein Rohrsystem auf die Felder geleitet, wo es mittels Tröpfchendurchmesser abgegeben wird, um Verdunstung zu vermeiden. Hierfür ist selbstverständlich eine ausreichend große und moderne Kläranlage erforderlich, die auch die auf Mallorca durch den Tourismus entstehenden Schwankungen im Wasserverbrauch abfangen kann. Hiermit könnte auch vermieden werden, dass der Großteil der Abwässer ungefiltert ins Mittelmeer gelangt.

Die dritte Säule des nationalen Wasserprogramms Israels ist die Vermeidung von Wasserverlusten. In Jerusalem etwa finden sich überall in der Stadt im Abstand von wenigen Hundert Metern Hydranten, an denen unauffällige Detektoren befestigt sind. Auf Mallorca hingegen scheint Wasserverlust Programm zu sein. Nicht nur wird frisches Regenwasser nicht gespeichert. Auch das Leitungssystem ist marode und verliert jährlich 26 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Dies entspricht exakt der Menge Wasser, die momentan jährlich über die Entsalzungsanlage in Palma produziert wird. Würde also nur dieses Leck behoben, wäre die Entsalzungsanlage schon hinfällig. Würde darüber hinaus das gesamte Abwasser der Insel in einer Kläranlage gereinigt und jede Gemeinde und jeder Landbesitzer verpflichtet ausreichend große Zisternen und Wassergräben anzulegen, wäre der Wassermangel Mallorcas Geschichte – Die Insel könnte sich innerhalb weniger Jahre in einen blühenden und nachhaltigen Garten verwandeln. – Und sogar die wasserintensiven Golfplätze könnten mit dem neu gewonnenen Wasser versorgt werden.

Warum auf Mallorca nichts gegen den Wassermangel getan wird

Es muss natürlich berücksichtigt werden, dass die nötigen Investitionen augenblicklich aufgrund der hohen Verluste durch das überdimensionale Kongresszeitrum, den Ausbau der alten Stadtmauer zu einer Steinwüste sowie der Trockenlegung der Feuchtgebiete an der Palya de Palma zum Ausbau eines neuen Shoppingcenters nicht getätigt werden können.

Blühender Garten auf mallorca

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