Permakultur und Wasserwirtschaft Mallorca: Landwirtschaft vor dem Wandel

Wer im Sommer mit dem Fahrrad oder Auto Mallorcas Hinterland erkundet, dem fällt die extreme Trockenheit und die oft gespenstisch tot aussehenden Felder und Mandelplantagen auf. Dort, wo es grün ist, entdeckt man auf dem zweiten Blick die oft armdicken Wasserleitungen und Besprenklungsanlagen zur künstlichen Bewässerung. Die Bauern auf Mallorca stehen vor dem Wandel, denn die Wasserknappheit sorgt bereits seit Jahren für schlechte Ernten, kranken Bestand und hohen Ungezieferbefall der Farmen. Das Problem ist lange bekannt, gemacht wird wenig. Und so verwüstet die Insel jedes Jahr ein bißchen mehr.

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Steuergeschenke statt nachhaltige Gegenmaßnahmen

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit auf Mallorca hat das balearische Landwirtschaftsministerium zwar jetzt Maßnahmen angekündigt, um den hiesigen Bauern unter die Arme zu greifen. So sollen rund 500 Landwirte Steuervergünstigungen bis zu insgesamt 3,5 Mio. Euro sowie finanzielle Unterstützung für das Futter ihrer Tiere erhalten, denn wegen der Dürre reicht das Weidegras für die etwa 210.000 Ziegen, Schafe, Schweine und Rinder nicht mehr aus.

Leider kann  man aber mit Geld keine Farm gießen, und so werden auch diese Steuergeschenke wohl wortwörtlich im Sand versickern.

Wasser ist das Schlüsselelement, Mallorca ist aber technologisch noch ganz weit hinten

Obwohl Spanien seit Jahren unter der Verwüstung ganzer Landstriche leidet und auch die Balearen immer trockener werden, wird nach wie vor Grundwasser in großen Mengen zur Bewässerung in der Landwirtschaft verwendet. Auch der weiter wachsende Tourismus sorgt für „Wasserstress“ des Systems und läßt ganze Landstriche vertrocknen.

Israel hingegen ist seit Jahrzehnten führend in der Entwicklung und Herstellung innovativer Bewässerungsanlagen und Bewässerungssysteme und wer sich die Oasengärten Marokkos besucht hat, weiß, das es Lösungswege aus der Wasserkrise gibt.

Abschneiden, aufreissen und verbrennen

Es ist wie aus dem Lehrbuch „Wie mache ich meine eigene Wüste“ entnommen: Wer die Aufgabe hätte, aus seinem Grundstück eine Wüste zu machen, kann sich das effektivste Konzept auf Mallorca ansehen:

Angebaut wird auf freien, ungeschützten Flächen mit wenig Baumbestand. Jährlich werden die Bäume beschnitten und die Bepflanzung komplett abgemäht, dann wird der Boden aufgerissen und geöffnet. Wasser hat da bei über 30 Grad und direkter Sonneneinstrahlung keine Chance mehr. Die Böden sind trocken, nährstoffarm und in bis zu 30 cm Tiefe nahezu leblos und sterilisiert. Kein Ort für Leben. Entnommene Nährstoffe wie Baumschnitt und andere pflanzliche Rückstände werden einfach verbrannt, statt kompostiert und in die Erde eingearbeitet.

Toter Boden Mallorca

Wenn dann am Ende der Dürrezeit die starken Regenfälle Mallorcas einsetzen, kann dieser Boden den Wassermassen nichts entgegensetzen: Er wird schlichtweg aus-, weg- und durchgespült und verliert noch mehr an organischen Bestandteilen. Übrig bleiben kleine Steinwüsten, die ein Bauer in Nordeuropa nicht mal im Ansatz für bepflanzungsfähig halten würden.

Permakultur statt Wüstenbildung- Was wir von Kleingärtnern lernen können

Ein moderner und aus Australien und Afrika (auch die Palmengärten Marokkos sind Permakultur…) stammender Ansatz ist das Konzept der Permakultur oder auch Waldgarten. Statt Monokultur und verdorrende Brachflächen wird ein sich selbst erhaltendes Ökosystem aus Pflanzen in mehreren „Stockwerken“, Wassergräben und Speicherteichen sowie eine komplette Umwandlung aller organischer Substanzen in (wasserspeichernden) Kompost betrieben. Auf diese Art konnten mitten in der Sahara blühende, ertragreiche Palmengärten entstehen, die dazu als Biotop dienen und sich selbst erhalten.

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Jeder Kleingärtner macht es vor: Wasser wird gesammelt, organisches Kompostiert und man baut in Mischkultur so an, das der Wasserverbrauch sinkt während gleichzeitig der Ertrag steigt.

Wie funktioniert diese wassersparende Art der Landwirtschaft?

Es ist eigentlich kein Wunderwerk, auch wenn sich die Gurus der Permakultur oft so aufführen, als hätten sie es selber erfunden. Der Feind des Wassers sind Wind, Hitze und Sonne. Zufälligerweise trifft das gleiche auch auf die meisten Pflanzen zu. Also haben sich schon vor 10.000 fahren die Menschen in der Wüste was feines ausgedacht:

Landbau in Stockwerken

Die Oasen-Gärten werden in Stockwerken gebaut, wobei die ertragreiche Dattelpalme als Fruchtpflanze, Windschutz und Schattenspender dient. Darunter findet sich ein zweites, niedrigeres Stockwerk aus kleineren Obst- und Nutzpflanzen wie Zitronen, Orangen, Feigen, Rosen, Aprikosen und Äpfeln, die gleichzeitig die mit Wällen und Speicherrinnen versehen Felder umgrenzen und befestigen. Auf diesen Feldern werden dann in Mischreihen Getreide, Gemüse und Futterpflanzen rotierend angebaut. Die Erdwälle halten das Wasser, verhindern Erosion und dienen als erhöhte Wege durch die Felder und Beete. Gleichzeitig werden dort auch Kräuter und Gräser angebaut.

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Abschnitt und nicht verwertetes Material wird in „Cut-and-Drop“ Verfahren an Ort und Stelle liegen gelassen und schützt den Boden vor Austrocknung. Da sich in diesen Gärten auch Vögel, Insekten und Tiere wohlfühlen, ist natürlicher Pflanzenschutz gewährleistet.

Durch den Mischbau in mehreren Stockwerken wird (wie in Hochhausbau) der verfügbare Platz effizienter und nachhaltiger genutzt als beim Flächenanbau, der nur deshalb eingeführt wurde, weil er für Maschinen besser zu bewirtschaften ist.

Die Firma Baumrausch bietet zum Thema „Permakultur Mallorca“ interessierten Finca-Besitzern Kurse und Fortbildungen direkt vor Ort an.

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