Selbstständig auf Mallorca- Von Autonomos und vielen Regeln

Nach Mallorca auswandern und dort irgendeine neue Existenz gründen: Einen Laden, ein Restaurant oder irgendein kleines Unternehmen aufmachen, das genug zum Leben abwirft – davon träumen viele. Als Selbständiger (autónomo), mit oder ohne Firma, muss man jedoch erst eine Reihe von Formalitäten erledigen. Nachfolgend die wichtigsten Schritte. Viele ezebee.com Nutzer haben ihren Traum von Selbstständigkeit mit einem kostenlosen online Shop erfüllt. 

Grundsätzlich sei gesagt: Der  Arbeits- und Unternehmensmarkt auf Mallorca ist hart, die Arbeitslosigkeit hoch und die Zahlungsmoral schlecht. Trotzdem versuchen immer noch viele Einwanderer aus dem deutschsprachigen Raum auf Mallorca ihr Glück. Nicht alle schaffen es, weil manche auch mit falschen Vorstellungen kommen. 

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  • Ohne die NIE, die Ausländer-Identifikationsnummer, läuft nichts auf Mallorca – Man braucht sie für alle bürokratischen Schritte im Privat- wie im Berufsleben

Um auf Mallorca als Selbständiger zu arbeiten und Rechnungen stellen zu können, braucht man zunächst eine  Identifikations- und Steuernummer (NIE). Als erstes geht man deshalb zur Ausländerpolizei oder auf das Revier der Nationalpolizei und trägt sich in das Register für EU-Ausländer ein. Das gilt auch für Schweizer. 

Man füllt ein Formular aus und legt es zusammen mit dem Reisepass und der Bank-Quittung über die eingezahlte Gebühr vor. Etwa vier Wochen später erhält man ein großes grünes Blatt, das EU-Zertifikat mit der NIE. Schritt für Schritt soll das Blatt demnächst durch ein handliches grünes Kärtchen ersetzt werden – je nach Region kann das aber noch dauern. 

 

  • Auch in Spanien muss man Einkommenssteuern zahlen – Gewerbesteuer wird aber für Kleinunternehmer mit geringem Umsatz nicht fällig

Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure oder Architekten brauchen eine Anerkennung ihres Berufsabschlusses (homologación) beim spanischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft. Das kann lange dauern, also sollte man schnell mit den Formalitäten beginnen.

Bei der zuständigen Steuerbehörde (hacienda) wird als nächster Schritt die Registrierung für die Gewerbesteuer (IAE) beantragt und die Tätigkeit bestimmt (epígrafe). Je nach Kategorie wird man mit einem hohen oder geringen Satz veranschlagt. Fällig wird die Gewerbesteuer derzeit ab einer Million Euro Nettoumsatz.

Die Sozialversicherung, die Pflicht für alle Beschäftigten wie Selbständige ist, beantragt man beim Büro der Seguridad Social. Beim günstigsten „epígrafe“, dem Fotografen oder Übersetzer angehören, zahlt man im Jahr 2011 pro Monat rund 250 Euro Sozialversicherungsbeitrag. 

 

  • Wer sich nicht selbst durch den Behördendschungel schlagen will, kann den Kampf mit der Bürokratie auch einem Beratungsbüro überlassen

Steuern zahlt man alle drei Monate (zum 30. Januar, 20. April, 20. Juli und 20. Oktober). Bis zum 30. Juni macht man rückwirkend für das vorangegangene Jahr den Steuerjahresausgleich (renta). Muss man nachzahlen, kann man das in zwei Raten (Juni und November) tun; erhält man Geld zurück, hat der Staat Zeit bis zum 31. Dezember.

Die Deutsche Handelskammer für Spanien weist darauf hin, dass man zur Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit häufig eine Genehmigung der Stadtverwaltung (licencia de funcionamiento) braucht. Die gibt es im Rathaus (ayuntamiento). Die Handelskammer rät: „Eine Kontaktaufnahme ist in jedem Fall empfehlenswert, da dort auch Auskunft über weitere Ansprechpartner und Erfordernisse erteilt werden kann.“ 

Je nach bürokratischem Schwierigkeitsgrad ist auch die Hilfe durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater oder eine „gestoria“ sinnvoll. Die „gestorias“ übernehmen gegen entsprechende Gebühr die Erledigung des Papierkrams und haben vor allem in touristischen Regionen oft auch deutschsprachige Mitarbeiter.

 

  • Eine formale Firmengründung erfordert eine Eintragung beim Handelsregister und die Einzahlung von Geschäftskapital

NIE und Eintragung ins Ausländerregister ist in jedem Fall der erste Schritt, wenn man in Spanien arbeiten will. Wer eine Firma gründen will, hat dann folgende Möglichkeiten: Die Aktiengesellschaft (Sociedad Anónima, S.A.) bei einem Mindestkapital von 60.102 Euro, wovon ein Viertel eingezahlt werden muss. Oder eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Sociedad de Responsabilidad Limitada, S.L.). Das Mindestkapital beträgt bei der S.L. nur 3000 Euro. Vielleicht auch deshalb ist es die beliebteste Gesellschaftsform in Spanien.

Zuerst muss man bis zu drei Namenswünsche beim zentralen Handelsregister in Madrid einreichen, das per Zertifikat einen Namen zuteilt und garantiert, dass der Name noch nicht vergeben ist. Mit dem Zertifikat eröffnet man ein Geschäftskonto bei einer Bank und zahlt das Stammkapital ein. 

 

  • Es gibt verschiedene Gesellschaftsformen, aus denen man die richtige auswählen muss – Die meisten kleinen Geschäftsleute gründen eine S.L. oder eine S.A. 

Man arbeitet die Satzung (Estatutos Sociales) aus, in der Name, Zweck und Sitz der Gesellschaft festgelegt werden. Das übernimmt normalerweise ein spanischer Rechtsanwalt, der die Satzung auch ins spanische Handelsregister (Registro Mercantil) eintragen lässt. Beim Notar wird die Gesellschaft gegründet und die Gründungsurkunde (Escritura de Constitución) unterzeichnet. Sie enthält die Satzung und weitere wichtige Punkte. Der Notar soll auch gleich eine Steueridentifikationsnummer (C.I.F.) beantragen.

Innerhalb eines Monats muss man ein Prozent des Stammkapitals als Gründungssteuer ans Finanzamt abführen. Ausländische Gesellschafter müssen sich beim Auslandsinvestitionsregister anmelden. Außer der S.A. und S.L. gibt es auch noch die Kommanditgesellschaft (Sociedad Comanditaria), die Kollektivgesellschaft (Sociedad Colectiva), die Niederlassung (Sucursal) und die GmbH – Neue Firma (Sociedad Limitada Nueva Empresa). Aber am geläufigsten sind die S.A. und die S.L. (gesprochen „esse elle“).

 

 

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