„Sonnensteuer“ auf Mallorca: Protest und Hoffnung auf Brüssel

Spanien will keine Solarenergie

„Schluss mit den Hürden für erneuerbare Energien in Spanien!“, beginnt der Aufruf zur Unterschriften­aktion auf dem Portal change.org, den bereits rund 50.000 Personen unterstützen. „Sag´ nein zur ´Sonnensteuer!“. Initiativen wie diese gibt es derzeit mehrere: Verbraucherschutzvereinigungen, Umweltverbände und soziale Bewegungen laufen Sturm gegen die Energie­politik der Rajoy-Regierung, der unisono eine enge Verbandelung mit den großen Energiekonzernen unterstellt wird, zu sehen etwa an gut dotierten Posten für Ex-Politiker. In den sozialen Netzwerken läuft die Protestwelle unter dem Hashtag #NosRobanElSol („Uns wird die Sonne geraubt“).

 

Was ist die Sonnensteuer?

Ab April 2016 sollen spanische Betreiber von PV-Eigenverbrauchsanlagen Abgaben auf die erzeugte Energiemenge und die installierte Leistung bezahlen. Anlagen mit weniger als 100 Kilowatt Leistung sollen überschüssigen Strom zudem nicht mehr vergütet bekommen, wenn er ins Netz eingespeist wird.

c56df8b0fe

Der spanische Ministerrat hat am Freitag neue Regeln für den Eigenverbrauch von Solarstrom verabschiedet. Damit sind erhöhte Abgaben für netzgebundene Photovoltaik-Anlagen verbunden, die solaren Eigenverbrauch ermöglichen.
Die genauen Einzelheiten werden erst mit der Veröffentlichung des gesamten Gesetzestextes vorliegen. Klar ist aber bereits, dass für Eigenverbrauchsanlagen sowohl auf die erzeugte Energiemenge als auch auf die installierte Nennleistung Abgaben erhoben werden.

Stoßrichtung der Initiativen gegen die „Sonnensteuer“ ist weniger Madrid, als Brüssel, wie Alex Durán von Som Energia erklärt – die Kooperative hat ebenfalls ein Manifest unterschrieben. Da die Regierung keine Einsicht zeige, müsse man die Verstöße gegen die Erneuerbare-Energien-Richtlinie von 2009 oder die Energieeffizienz-Richtlinie von 2012 anprangern und die EU zum Handeln bewegen. „Die Regierung ignoriert nicht nur die Vorteile der Erzeugung durch Privat­haushalte, sondern bestraft sie auch noch“, heißt es in einem Manifest von Greenpeace. Gefordert wird ein balance neto wie in anderen Ländern, das heißt: So viel Strom, wie eingespeist wird, darf auch kostenlos bezogen werden. Derzeit „verschenken“ die Erzeuger den überschüssigen Strom, der zurück ins Netz fließt.

Die Regierung weist die Vorwürfe zurück: Die Gebühr sei keine „Sonnensteuer“, sondern ein Beitrag für das Stromnetz, wie ihn jeder Haushalt leisten müsse. Argument: Vor allem am Abend, wenn die Sonne nicht scheine, aber der Energiebedarf am höchsten sei, müssten auch die Solarstrom­erzeuger zur Deckung ihres Bedarfs auf das Stromnetz zugreifen.

Diese Argumentation ist nur damit zu erklären, dass in Spanien der Begriff „Speicherakku“ oder „Batterie“ noch nicht bekannt ist.  Aber Fachkräfte aus aller Welt versuchen hier bereits, hier der Wissenslücke entgegenzuwirken.

 

 

Weitere Artikel zum Thema:

Steuern zahlen auf Mallorca- Warum viele die Insel wieder verlassen

Elektroautos auf Mallorca- Riesiges Potenzial, schwerer Start

Bici-Palma – Oder wie man ein ganz tolles Konzept ganz toll vergeigt

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Upcycling Ideen- Möbel und Design aus alten Skateboard-Brettern

Mallorca Naturschutz: Meerreservat rund um Dragonera geplant

 

 

Was ist Deine Meinung zu der Energiepolitik? Findest Du die Sonnensteuer gerechtfertigt? Lass einen Kommentar auf ezebee.com da!

Unser Mallorca Marketplace

Verwandte Themen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *