Unglaublich: Die Sonneninsel Mallorca will einfach keinen Solarstrom…

Wer aus Nordeuropa kommt und in Spanien lebt, der versteht oft die Welt nicht mehr. Während in Deutschland beispielsweise die Energiewende voll in Gang ist und kaum ein Neubau mehr ohne Solaranlage erstellt wird, passiert in Spanien so gut wie nichts in diese Richtung, obwohl kaum ein Land in der EU so viele Sonnentage vorzuweisen hat wie das Land der Strände und der Tomaten. Derzeit kommen nur drei Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Der Rest des Stromes kommt aus Gas-, Kohle- und Nuklearkraftwerken. Auf Mallorca sieht es nicht besser aus, auch hier wird die Einführung von erneuerbaren Energien nur in wortstarken Ankündigungen, aber nicht in der Praxis umgesetzt. Neu geplante Solarfarmen auf der Insel sehen sich nun bürokratischen Hindernissen ausgesetzt und stecken in der Planungsphase fest.

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Gaskraftwerk Palma de Mallorca

Noch zu Beginn des Jahres sah es jetzt zwar zeitweise so aus, als könne Mallorca bereits 2017 einen großen Schritt in Richtung „grüne Insel“ machen. Mit dem Bau von gleich zwei Solarparks bei Llucmajor und Manacor sollte die Stromproduktion durch erneuerbare Energien nahezu verdoppelt werden, immerhin würden die Mega-Parks jeweils 50-mal so viel Ökostrom liefern wie die bereits bestehenden 38 kleinen Photovoltaikanlagen auf Mallorca.

Die frisch gewählte Linksregierung hatte deshalb die Verweigerung ihrer konservativen Vorgänger zum Bau solcher Projekte zurückgenommen – grünes Licht für grüne Energie hieß es also zunächst.

Fast ein Jahr ist seitdem ins Land gegangen, ein Jahr, in dem so gut wie nichts passiert ist. „Ja, es verzögert sich“, erklärte Alexander Schumann, geschäftsführender Gesellschafter des deutschen Investors KS Management, der europaweit Photovoltaik-Parks baut und auch hinter dem Projekt bei Manacor steht gegenüber dem Mallorca Magazin. „Normalerweise rechnen wir mit einer Planungszeit von zwei bis drei Jahren, im Falle von Santa Cirga liegen wir jetzt schon bei dreieinhalb Jahren.“ Vor allem die Genehmigungsprozesse bei den Behörden liefen landesüblich schleppend. Da jetzt viele der geforderten Unterlagen und Anträge eingereicht seien, könne man grundsätzlich vorsichtig optimistisch mit einem Baubeginn 2017 und einer Fertigstellung bis immerhin 2018 planen

Dass es tatsächlich so schnell geht, bezweifelt jedoch Joan Groizard, Generaldirektor der Balearen-Regierung für Energie. Er hält eine Fertigstellung der Projekte innerhalb dieser Legislaturperiode, also vor Frühjahr 2019, zumindest für unwahrscheinlich. „Die Umweltkommission der Balearen muss noch ihren Bericht anfertigen und die Sache bewerten.“ 

Wer hier zwischen den Zeilen liest und die teilweise grotesken Abläufe bei Behörden und Anträgen auf  Mallorca kennengelernt hat, der ahnt bei dieser Aussage schon jetzt: Es wird nichts werden mit dem Solarstrom auf der Sonneninsel. Wieder mal…

Eine einheitliche Haltung der Regierung zu den Solarprojekten ist bisher auch nicht zu erkennen. Unlängst berichtete die Tageszeitung „Ultima Hora“, dass Spannungen zwischen dem von den Sozialisten geführten Energieministerium und dem Umweltministerium, das von der linken Ökopartei Més geleitet wird, schuld an den Verzögerungen sind. Grundsätzlich stehe man erneuerbaren Energien positiv gegenüber, erklärt Groizard, es gehe aber immer auch darum, ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Interessen zu finden, auch denen der Bürger.

„Die Opposition in der Bevölkerung ist groß, deshalb wurde das Vorhaben in Manacor inzwischen auch abgespeckt“, sagt Margalida Ramis vom Umweltschutzverband GOB.“ Unzufrieden ist man darüber nicht, denn die Gruppe ist ebenfalls einer der schärfsten Kritiker der Solarparkprojekte. „Da kommen Leute auf die Insel, die nur wirtschaftliche Interessen verfolgen. Wir fördern zwar grundsätzlich erneuerbare Energien, aber es muss ausgewogen sein“, so Ramis weiter. „Lieber kleinere Vorhaben in lokaler Hand.“ Eine Prognose, wann die Solarparks tatsächlich gebaut werden, will auch Ramis nicht abgeben.

Es wird also am Ende wohl doch alles beim Alten bleiben: Die Investoren aus dem Norden Europas werden sich, wie früher schon passiert, wieder frustriert von der Insel zurückziehen, Arbeitsplätze werden nicht geschaffen und  die Insel wird sich weiterhin mit Kohle und Nuklearstrom versorgen. Zur Freude der bestens vernetzten Stromversorger und deren Freunde in den Behörden.

 

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