Wasserknappheit Mallorca: Die neue Normalität

In den letzten Jahren war die zunehmende Wasserknappheit auf Mallorca regelmäßig Thema lokaler Berichterstattung. Doch nicht nur Spanien, auch Mallorca muss sich darauf einstellen, das der Wassermangel der neue Normalzustand ist und sich mit zunehmendem Tourismus und Klimaerwärmung weiter verschärfen wird.

Mallorca bezieht sein Trinkwasser aus verschiedenen Quellen sowie dem Grundwasser der Tramuntana und der Ebene Pla. Auf der Finca Sa Costera in Escorca befindet sich eine der ertragreichsten Quellen der Insel, die seit 2008 zur Trinkwassergewinnung genutzt wird. Dramatisch sind die sinkenden Grundwasserpegel. Denn dann strömt Meerwasser von den Seiten ein. Es kommt zur Versalzung der Gewässer und Böden, beklagen Umweltschützer.

In der Vergangenheit kam das Wasser auch vom spanischen Festland. 1995 lief erstmals der Tanker „Móstoles“ in den Hafen von Palma ein, um Wasser aus dem Fluss Ebro zu entladen. Zwei Jahre lang wurde Mallorca, das damals unter einer anhaltenden Dürre litt, so versorgt. In den Folgejahren nach der „Operación Barco“ (Operation Schiff) wurden mehrere teure Meerwasser-Entsalzungsanlagen angeschafft, die inzwischen stillstehen. Lokalpolitiker bezeichnen die Anlagen heute als Fehlinvestition.

Es ist also Zeit, sich auf der Insel intensiv mit diesem Problem auseinanderzusetzen, wenn man irreversible Schäden am fragilen Grundwassersystem und weitere Versalzung von Agrar- und Küstensiedlung verhindern möchte.

Regenwasserabfluss im Hafen Palmas

Die Ursachen für den Wassermangel und die Versalzung sind hausgemacht und haben ihre Wurzeln in falschen Methoden der Bewässerung in der Landwirtschaft, im Tourismus und einen wasserintensiven Anbau von Obst und Gemüse sowie in der maroden Infrastruktur.

1.) Regenwasser wird in Palma unzureichend genutzt

Laut Dario de Mallorca gehen mindestens 30 Prozent des Niederschlages in Palma de Mallorca ungenutzt ins Meer. Die in Palma seltenen, aber dann oft heftigen Niederschläge führen häufig zu kurzen Überschwemmungen im Bereich der Küstenviertel der Stadt und werden einfach ins Meer abgelassen.

Zentrale Brauchwasserzisternen oder Regenwasserspeicher in den Wohnhäusern gibt es nicht, auch die Regenrinnen und Fallrohre sind in Palme eher als Dekoration gedacht. Das meiste Wasser schießt bei Regen ungenutzt auf die Straße und von da ins Meer.

2.) Die Landwirtschaft ist zu wasserintensiv

Die Landwirte in Spanien haben sich noch lange nicht auf die neue Situation eingestellt und bauen mit Methoden an, die für regenreiche Zonen entwickelt wurden. Der Anbau in ariden Zonen erfordert jedoch ein radikales Umdenken in Hinsicht auf Bewässerungssysteme, Beschattung, Terassierung und Wasserspeicherung. Die auf Mallorca typischen ausgedörrten Böden, die zudem auch noch oft mehrfach im Jahr umgegraben werden, können bei starkem regen kaum Wasser speichern und erodieren zudem sehr stark.

Die in Australien, Israel und in vielen nordamerikanischen Ländern angewandten Technologien mit Tröpfchenbewässerung, Sickergräben und Mischanbau unter Schatten sind auf Mallorca bisher nur bei einigen Permakultur- und Biofarmen zu finden.

Die große Mehrheit der Farmer bewässert aus dem Grundwasser und baut konventionell an.

3.) Der Tourismus ist durstig

Ein großer Teil des Wassers geht in den Tourismus: Duschen, Pools, Reinigung, Bewässerung von Grünanlagen, Großküchen und der Trinkwasserbedarf von 13 Millionen Menschen muss gedeckt werden. Hotels in Spanien verfügen jedoch kaum über effektive Sparmaßnahmen oder Technologien. Hier müssen Standards geschaffen werden, die hier einerseits an das Umweltbewusstsein der Urlauber appellieren, aber eben auch technische Maßnahmen wie Zisternen für Brauchwasser und wassersparende Sanitärinstallationen.

4.) Marode Infrastruktur

In einigen Gemeinden Mallorcas sind die Wasserleitungen so marode, das ganze 60 Prozent des wertvollen Trinkwassers wieder unkontrolliert versickern. Hier muss dringend nachgebessert werden, wenn man das Problem der Wasserqualität und Wasserknappheit in den Griff bekommen möchte. Auch hier könnten dezentrale Zisternen- und Speichersysteme dazu beitragen, das Trinkwasser nicht für die Klospülung verwendet werden muss.

Mallorca steht also vor einer Mammut-Aufgabe, wenn nicht in 15 Jahren ganze Küstenorte nur noch Salzwasser in den Leitungen stehen haben sollen. Denn wenn das eintritt, ist es schnell Schluss mit dem Tourismus. Man kann sich das bereits im Küstenörtchen Cala Figuere live ansehen. Dann da kommt schon seit Jahren nur noch salziges Wasser aus den Leitungen. Das Trinkwasser bezieht der Ort aus Lastwagen oder per PET-Wassercontainer.

 

 

 

 

 

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